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Literatur

Rückblick: Berliner Literaturpreis an Ulrich Peltzer

Veröffentlicht am 3 Juli 2024

Der Berliner Literaturpreis 2008 wurde verliehen an Ulrich Peltzer. Der Preisträger wurde zugleich für das Sommersemester 2008 auf die Heiner-Müller- Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin berufen.

Der 1956 geborene Ulrich Peltzer lebt seit 1975 in Berlin. Nach dem Philosophie- und Psychologie-studium folgten längere Arbeitsaufenthalte in Süditalien und den USA. Das literarische Werk des Autors, im Ammann-Verlag erschienen, ist mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt worden. Darunter sind der Niederrheinische Literaturpreis (2001), der  Bremer  Literaturpreis (2003) und der Förderpreis zum Kunstpreis Berlin 2008. Bereits nach seiner zweiten Romanveröffentlichung, im Jahr 1996, wurde dem damals Dreißigjährigen der Berliner Literaturpreis ein erstes Mal zuerkannt.

Ulrich Peltzer © gezett

BEGRÜNDUNG DER JURY

Der Berliner Literaturpreis 2008 wird Ulrich Peltzer zuerkannt, dem gebürtigen Krefelder, der seit fast dreißig Jahren als freier Schriftsteller in Berlin lebt und arbeitet und sich mit einem schmalen Werk, das nur fünf Prosatexte in zwei Jahrzehnten umfasst, großes Ansehen erschrieben hat. Peltzer erzählt präzise beobachtete und prägnante Metropolen-Geschichten aus dem prekären Milieu postakademischer Bildungs- und Medienarbeiter, die ihre Selbst- und Wirklichkeitserfahrung zu behaupten suchen – angesichts der Allgegenwart simulierter Medienrealitäten und trotz der Undurchsichtigkeit heutiger Kommunikationsstrukturen. Vor allem in seinem jüngsten Werk, dem Berlin-Roman «Teil der Lösung», fragt Peltzer nach der Beschaffenheit des öffentlichen Raums und nach den Möglichkeiten politischen Protests gegen den sich total vernetzenden Überwachungsstaat und erkundet Spielarten individual-anarchischen Widerstands gegen die Machtlosigkeit des Individuums. In den verfließenden und sich vermischenden intellektuellen Milieus, die in seinen Großstadt-Romanen exponiert werden, macht Peltzer Urbanität facettenreich fassbar, indem er das gleichermaßen Komplexe wie Transitorische der Welt- und Selbstwahrnehmung immer wieder neu auslotet.

Jury: Sigrid Löffler, Ulrich Janetzki, Ulrich Khuon, Gert Mattenklott, Norbert Miller