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Literatur

Rückblick: Berliner Literaturpreis an Lukas Bärfuss

Veröffentlicht am 3 Juli 2024

Mit dem Berliner Literaturpreis 2013 hat die Stiftung Preußische Seehandlung auf Beschluss ihrer Preisjury den Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss ausgezeichnet. Lukas Bärfuss nahm die mit dem Preis verbundene Berufung der Freien Universität Berlin auf die „Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik“ an. Der mit 30.000 Euro dotierte Berliner Literaturpreis zeichnet Autoren aus, die mit ihrem literarischen Werk in den Gattungen Erzählende und Dramatische Literatur sowie Lyrik einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geleistet haben. Der Preis wurde im Roten Rathaus durch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit verliehen.

Berliner Literaturpreis 2013 © gezett

BEGRÜNDUNG DER JURY

Der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss erhält den Berliner Literaturpreis 2013 für sein Werk, in dem die Freaks und Träumer, die Schlafwandler und Fremdlinge den Ton angeben.

Lukas Bärfuss wurde 1971 in Thun geboren und lebt als freier Schriftsteller, Dramaturg und Autor von Prosatexten, Hörspielen und Theatertexten in Zürich. Seine Figuren sind geprägt und bewegt von einer Welt, die sie ihrerseits kaum zu beeinflussen vermögen. Dennoch geht von ihnen, ähnlich wie von den Figuren Robert Walsers, eine stille Hartnäckigkeit und ein unmerkliches Nein-Sagen aus.

In seinem Ruanda-Buch „Hundert Tage“ nimmt der junge Entwicklungshelfer David Hohl sein Land und die stubenreinen Werte des Westens mit sich nach Afrika und wird, als die Konflikte blutig aufbrechen, zum hilflosen Beobachter einer sich selbst zerstörenden Gesellschaft. In „Der Bus. (Das Zeug einer Heiligen)“ trifft die labile Pilgerin Erika auf eine egomane und geschwätzige Reisegruppe. Sie verstört und bedroht diese Gesellschaft ebenso, wie das geistig behinderte Mädchen Dora in Bärfuss‘ frühem Erfolgsstück „Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“. Und in seinem jüngsten Stück fallen dem Tagträumer und Gelegenheitsarbeiter Toni „20.000 Seiten“ historische Schweiz-Recherche auf den Kopf, deren Inhalt ihn und die erinnerungsunwillige Umgebung hartnäckig begleiten wird. Lukas Bärfuss‘ Geschichten sind Störfälle. Nicht weil sie Änderungen postulieren, sondern durch ihre Besonderheit, durch das Anderssein ihrer zentralen Figuren. 

Jury: Winfried Menninghaus, Jens Bisky, Ulrich Janetzki, Ulrich Khuon, Kristin Schulz