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Literatur

Rückblick: Berliner Literaturpreis an Durs Grünbein

Veröffentlicht am 8 Juli 2024

Der Lyriker und Essayist Durs Grünbein erhielt am Dienstag, den 2. Mai 2006, den „Berliner Literaturpreis“ der Stiftung Preußische Seehandlung. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit verlieh den Preis bei einem Festakt um 20 Uhr im Roten Rathaus in Berlin-Mitte. Im Beisein der Preisjury – Sigrid Löffler, Annette Reber, Ulrich Janetzki, Gert Mattenklott und Norbert Miller –, die zugleich als Berufungskommission fungierte, nahm der Präsident der Freien Universität Berlin, Professor Dr. Dieter Lenzen, die öffentliche Berufung des Preisträgers auf die Heiner-Müller-Professur. Die Laudatio hielt der Autor Martin Mosebach. Es musizierte das Kairos-Quartett.

BEGRÜNDUNG DER JURY

Der Berliner Literaturpreis 2006 wird an den Lyriker und Essayisten Durs Grünbein verliehen. Seine Gedichte haben sich von der aufrüttelnden „Vers-Anarchie“ seiner Anfänge, die der zerfallenden Gegenwart Dresdens ihr Geheimnis abfragte, in genau kontrollierten Bewusstseinsschritten zu einem strengen, aber einzigartig frei schaltenden Formbewusstsein entwickelt. Seit dem Gedichtband: „Nach den Satiren“, der zum erstenmal eine Zäsur im eigenen Schaffen mit einem Epochenwechsel der antiken Dichtung Roms parallel setzte, hat Durs Grünbein in der Architektur seiner Sammlungen und in der meisterhaften Sprach- und Versbehandlung seiner Lyrik die Nähe und Distanz zur Dichtung der römischen Kaiserzeit vermessen. „Porzellan. Poem vom Untergang meiner Stadt“ bezeichnet den extremsten Punkt in der topographischen Überlagerung des Bewusstseins. Eine Reihe von Essay-Bänden hat diese Entwicklung erklärend und erweiternd begleitet. Den Texten über Seneca und Juvenal kommt darin eine für das Selbstbildnis des Autors zentrale und kritische Stellung zu. Als Dramatiker haben ihn in den letzten Jahren ein Libretto über E.A.Poes „Berenice“ und bedeutende Übersetzungen der antiken Tragiker ausgewiesen. Durs Grünbein wird an der Freien Universität Berlin im Sommersemester 2006 als Inhaber der „Heiner Müller-Professur“ ein Kolleg für studentische Autor(inn)en abhalten.

Jury: Dr. Ulrich Janetzki, Sigrid Löffler, Prof. Dr. Gert Mattenklott, Prof. Dr. Norbert Miller, Annette Reber