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Literatur

Rückblick: Berliner Literaturpreis an Dea Loher

Veröffentlicht am 3 Juli 2024

 Der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit verlieh am 2. Februar 2009 um 19 Uhr im Berliner Rathaus im Rahmen eines Festaktes mit geladenen Gästen den mit 30.000 € dotierten „Berliner Literaturpreis“ der Stiftung Preußische Seehandlung an die Dramatikerin Dea Loher. Zugleich nahm die Vizepräsidentin der Freien Universität Berlin, Christine Keitel-Kreidt, die Berufung der Preisträgerin auf die „Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik“ am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität vor.

An dem Festakt nahmen auch die Mitglieder der Preisjury und Berufungskommission teil, Sigrid Löffler, Gert Mattenklott, Ulrich Janetzki, Ulrich Khuon und Norbert Miller. Ehrengast der Veranstaltung war Brigitte Maria Mayer, die Witwe Heiner Müllers. 

Die Laudatio auf die Preisträgerin hielt der Literaturkritiker Lothar Müller. Lisa Hagmeister, Hans Löw und Jörg Pose, Schauspieler vom Thalia Theater Hamburg, ehrten Dea Loher mit einer szenischen Lesung aus ihrem Theaterstück „Unschuld“.

Berliner Literaturpreis 2009 © David Baltzer

BEGRÜNDUNG DER JURY

Der Berliner Literaturpreis 2009 wird der Dramatikerin Dea Loher zuerkannt und zeichnet damit erstmals eine Theaterautorin aus, die seit beinahe zwanzig Jahren die Entwicklung der deutschsprachigen Gegenwartsdramatik geprägt und fortgeschrieben hat - von ihren vielgespielten ersten Stücken ‚Olgas Raum’ und ‚Tätowierung’ bis hin zu ihren jüngsten Arbeiten ‚Unschuld’ und ‚Das letzte Feuer’, das unlängst zum Stück des Jahres gewählt wurde. Dea Loher stellt in ihren Texten die soziale Frage auf überraschende Weise immer wieder neu: Ausgestattet mit einem so wachsamen wie schmerzempfindlichen Sensorium für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und Zerstörungen, für die Beschädigungen ihrer Figuren im System, bleibt sie in den von ihr geschilderten Konflikten stets persönlich, versteigt sich nie ins Thesen- oder Tendenzstückartige. Vielmehr beschreibt sie die Gesellschaft über die Geschichten an ihren Rändern, über die Verletzungen und Gefährdungen derer, die sich an den Grenzen unserer sozialen Wirklichkeit und Wahrnehmung bewegen. Ihr Gespür für das Fremde, Inkompatible, aber auch das Nicht-Vereinnehmbare machen sie zu einer Autorin, die das Theater stets vor neue Aufgaben stellt. Sie bedient es nicht, sondern fordert es heraus – und findet daher in Regisseuren wie Andreas Kriegenburg Partner, die ihre Welt und ihre eigene Stimme in immer neuen Spiel- und Erzählformen auf der Bühne Realität werden lassen – auch und gerade da, wo Dea Lohers Verzweiflung sich dem Dramatischen entzieht und ihre Trauer sich dem Verstummen nähert.

Jury: Sigrid Löffler, Gert Mattenklott, Ulrich Janetzki, Ulrich Khuon, Norbert Miller