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Literatur

Rückblick: Berliner Literaturpreis an Clemens J. Setz

Veröffentlicht am 1 Juli 2024

Der Schriftsteller Clemens J. Setz ist mit dem Berliner Literaturpreis 2019 geehrt worden. Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am Mittwochabend im Berliner Rathaus durch den Regierenden Bürgermeister und Vorsitzenden des Rates der Stiftung Preußische Seehandlung Michael Müller verliehen. Der Präsident der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Günter M. Ziegler, berief den Autoren für das Sommersemester 2019 auf die mit dem Preis verbundene Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung. Die Laudatio auf Clemens J. Setz hielt die österreichische Literaturwissenschaftlerin Dr. Daniela Strigl. Im Rahmen der Veranstaltung las der Preisträger aus seinem neuen Erzählband „Der Trost runder Dinge“.

Berliner Literaturpreis 2019 © gezett

BEGRÜNDUNG DER JURY:

Der Schriftsteller Clemens J. Setz erhält den Berliner Literaturpreis für ein literarisches Schaffen, das in allen Großgattungen originelle Akzente gesetzt hat. Es ist von einer schier unerschöpflichen Fabulierlust und absurder Komik geprägt und glänzt mit einem intertextuellen Anspielungsreichtum, der von genuin literarischen über philosophische und naturwissenschaftliche bis zu popkulturellen Diskursen reicht. Dokumentarisches wird mit Fantastik konfrontiert, genau recherchiertes, zum Teil abseitiges und abstruses Wissen mit Groteskem und Irrationalem; irreale Traumsequenzen werden ihrerseits mit rationalen Erkenntnissen verknüpft, wobei die narrative Kombinatorik stets neue und unerwartete Wendungen nimmt. Ausgehend vom Debüt Söhne und Planeten (2007) über den zweiten Roman Die Frequenzen (2009), das Theaterstück Mauerschau (2010) und den so fulminanten wie rätselhaften Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes (2011) hat Setz konsequent einen idiosynkratischen literarischen Kosmos geschaffen und sich einen so eigenwilligen wie facettenreichen, gleichsam musikalischen Schreibstil erarbeitet. Beides führt er im Roman Indigo (2012), dem ‚unlyrischen‘ Lyrikband Die Vogelstraußtrompete (2014), dem Monumentalroman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre (2015) und dem bitterbösen Theaterstück Vereinte Nationen (2017) sowie in essayistischen Texten und Gesprächen zu jeweils neuen Höhepunkten kalkulierter oder assoziativer Komposition. Setz verbindet darin auf eindrückliche Weise literarische Traditionsbestände mit formalen Errungenschaften der Avantgardeliteratur, was sein Schreiben gleichermaßen für ein größeres und junges Publikum attraktiv macht.

Die Jury: Prof. Dr. Michael Gamper, Dr. Jutta Person, Stephan Wetzel, Ernest Wichner, Univ.-Prof. Dr. Norbert Christian Wolf

Berlin, im September 2018