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Wissenschaft

Rückblick: Jubiläumspreis für Wissenschaft an PD Dr. Agnieszka Pufelska

Veröffentlicht am 25 Sept. 2023

Die Stiftung Preußische Seehandlung verlieh den „40 Jahre Stiftung Preußische Seehandlung – Jubiläumspreis für Wissenschaft“ einmalig und im Rahmen des diesjährigen Stiftungsjubiläums am 23. September 2023. Der Preis wurde im Bereich der Geisteswissenschaften verliehen, war mit 20.000 Euro dotiert und wurde persönlich durch die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Dr. Ina Czyborra, verliehen. Der Jubiläumspreis für Wissenschaft ist an ein Kurzzeit-Fellowship am Wissenschaftskolleg zu Berlin gebunden, zu dem die Rektorin des Wissenschaftskollegs, Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, die Preisträgerin offiziell eingeladen hat.

Der Jury gehörten Prof. Dr. Dr. h. c. Horst Bredekamp, Prof. Dr. Iwan-Michelangelo D’Aprile, Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger und Prof. Dr. Monika Wienfort an. Die Jury hat sich für die Kulturhistorikerin PD Dr. Agnieszka Pufelska entschieden, die am Nordost-Institut der Universität Hamburg tätig ist: „Mit PD Dr. Agnieszka Pufelska zeichnet die Jury eine Wissenschaftlerin aus, die der historischen Forschung zu Preußen in mehreren Hinsichten neue Impulse verliehen hat. Sowohl der historischen Lage Preußens als auch einer heutigen europäischen Erinnerungskultur entsprechend, rekonstruiert sie die Geschichte Preußens konsequent als transnationale Verflechtungsgeschichte, die den unterschiedlichen historischen Erfahrungen, historiographischen Traditionen, aber auch der Quellensituation und aktuellen Perspektiven auf die heute vor allem in Polen und Deutschland liegenden ehemaligen preußischen Territorien Rechnung trägt.“

Verleihung: Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Dr. Hans Gerhard Hannesen, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Preußische Seehandlung, Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin

Prof. Dr. Iwan-Michelangelo D’Aprile zur Wahl der Preisträgerin Agnieszka Pufelska in seiner Laudatio: "(...) Viertens schließlich begreift Agnieszka Pufelska historische Forschung immer auch als engagierte und kritische Geschichtswissenschaft, die durchaus Relevanz für aktuelle gesellschaftliche Debatten hat: ob es um einen sich auch städtebaulich manifestierenden Geschichtsrevisionismus und ahistorische Preußen-Nostalgie bei uns geht oder um die politische Instrumentalisierung verkürzter und verfälschter Versionen polnischer Nationalgeschichte zum Zwecke des Deutschland-bashings im gegenwärtigen Polen. Hier bezieht sie klare Position: als Historikerin, als die sie solchen politisch motivierten Instrumentalisierungen der Geschichte mit den Mitteln der Wissenschaft entgegenarbeitet. Aber auch als konsequente Europäerin, die weiß, dass wir Herausforderungen wie Putins kriegerischen Expansionsbestrebungen nur gemeinsam widerstehen können. (...)"

Agnieszka Pufelska bedankt sich mit folgenden Worten für die Auszeichung: "(...) Den Jubiläumspreis der Stiftung Preußische Seehandlung betrachte ich daher als Aufforderung, gerade diese vergessenen Kapitel der gemeinsamen polnisch- preußischen Geschichte zu erforschen und bekannt zu machen. Für diesen für mich so wichtigen Ansporn danke ich der Jury ganz herzlich. Der Preis hat hoffentlich nicht nur mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Preußen transnational zu denken. Kaum kann ich die Zeit erwarten, am Wissenschaftskolleg zu Berlin, frei von beruflichen Zwängen, diesem Ansatz noch konzentrierter nachgehen zu können. (...)"

Die Veranstaltung wurde von Prof. Dr. Daniel Schönpflug moderiert und musikalisch von dem Klavierduo Shalamov begleitet.

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Fotos: Katja Hentschel

DIE BEGRÜNDUNG DER JURY

Mit PD Dr. Agnieszka Pufelska zeichnet die Jury eine Wissenschaftlerin aus, die der historischen Forschung zu Preußen in mehreren Hinsichten neue Impulse verliehen hat. Sowohl der historischen Lage Preußens als auch einer heutigen europäischen Erinnerungskultur entsprechend, rekonstruiert sie die Geschichte Preußens konsequent als transnationale Verflechtungsgeschichte, die den unterschiedlichen historischen Erfahrungen, historiographischen Traditionen, aber auch der Quellensituation und aktuellen Perspektiven auf die heute vor allem in Polen und Deutschland liegenden ehemaligen preußischen Territorien Rechnung trägt. Mit einem weiten kulturhistorischen Blick, der politische, literarische und philosophische Phänomene in ihren Zusammenhängen verfolgt, hat sie dabei insbesondere neue methodische Ansätze einer zeitgemäßen Ostmitteleuropa-Forschung fruchtbar gemacht und weiterentwickelt. Nicht erst angesichts des aktuellen Angriffs- und Expansionskrieges des Putin-Regimes auf die Ukraine wird überdeutlich, dass sich die Geschichte Ostmitteleuropas – und das heißt auch die preußische Geschichte – eher mit Kategorien von Imperien und des (innereuropäischen) Kolonialismus angemessen beschreiben lässt, als in der bloßen Fortschreibung der konzeptuellen Verengungen nationalhistoriographischer Traditionen.

Selbst in Polen geboren und aufgewachsen, gehörte Agnieszka Pufelska zur ersten Generation polnischer Studierender an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, wo sie 2005 mit einer Arbeit zur Geschichte des Antisemitismus des 20. Jahrhunderts im deutsch-polnischen Kontext promoviert wurde. 2015 hat sie sich am Historischen Institut der Universität Potsdam mit einer Studie zum polnischen Preußenbild während der Teilungen Polens des späten 18. Jahrhunderts habilitiert.

Heute ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Nordost-Institut an der Universität Hamburg in Lüneburg tätig, von wo aus sie weitere innovative und kritische Beiträge zur Geschichtsschreibung Preußens vorgelegt hat. „Preußen postkolonial“ ist in diesem Sinne treffend ein von ihr kürzlich mitherausgegebenes Themenheft von „Geschichte und Gesellschaft“ betitelt.

Die Jury: Prof. Dr. Dr. h. c. Horst Bredekamp, Prof. Dr. Iwan-Michelangelo D’Aprile, Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, Prof. Dr. Monika Wienfort

Berlin, im Juni 2023